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Der Lachende Hans und das Sonnenfeuer
Es gab eine Zeit, da war das einzige Licht auf der Welt das des Mondes und der
Sterne. Selbst wenn der Vollmond wie eine gigantische silberne Kugel am Himmel
entlang zog, lauerten schwarze Schatten unter den Bäumen. Wenn der Mond eine
schmale Sichel bildete, konnten die riesigen Tiere, welche vor der Menschheit
lebten, ihren Weg nur ertasten. Und wenn die Wolken den Himmel verdunkelten,
oder wenn kein Mond zu sehen war, war die Welt still und alles Leben schlief. Es
war eine Schattenwelt, düster und mysteriös, wo die Vögel und anderen Tiere
ständig gegeneinander kämpften.
In einer bewölkten und mondlosen Nacht kämpften Dinewan der Emu und Brolga der
eingeborene Begleiter gegeneinander. Es gab keinen Grund für diesen Kampf,
dennoch versuchten sie einander zu töten. Dinewan steckte kopfüber mit dem
kleineren Vogelkopf im Sand und streckte seine Krallen empor. Brolga kämpfte
sich auf die Füße und rannte zum Nest des Emu. Er nahm das größte Ei heraus
und schleuderte es mit einem Ruck hoch in die Luft.
Nachdem es in einem Bogen den Himmel erreichte und herunter fiel, zerplatze es
auf einem Haufen Feuerholz in viele Stücke. Das Eigelb zerfloss über dem Holz
und ging in Flammen auf. Der Himmel leuchtete im Schein des Feuers und das erste
mal, seit Entstehung der Erde, erstrahlte sie in Farbe. Wärme schlich über die
kalten Täler, die Seen dampften leicht und all die Tiere wärmten sich an der
neu entstandenen Hitze.
Die himmlischen Wesen waren entzückt von alle dem und beschlossen von nun an,
jeden Tag dieses Feuer zu entzünden. Während der dunklen Stunden in der Nacht,
bereiteten sie neues Brennholz für den Morgen. Zu ihrer Überraschung schliefen
die Tiere aber häufig weiter, nachdem das Licht das Land überflutete.
"Es muss ihnen erzählt werden, damit sie bereit sind, sobald das Feuer
entfacht wurde", entschieden sie sich und hingen als Zeichen einen hellen
Morgenstern am Himmel auf, damit alle verstanden, dass das Feuer bald entzündet
wird.
Aber die faulen Tiere schliefen weiter.
"Licht ist eindeutig nicht genug," sagten sie. "Wir brauchen
etwas, das ein Geräusch macht um sie zu wecken," und während sie es
aussprachen hörten sie eine fröhliche Stimme von den entfernten Bäumen:
"Goor-gour-gaga!Goor-Gour-gaga!"
"Das
ist Goor-gour-gaga," riefen sie aus. "Er kann tun, was wir möchten!"
Sie flogen herab und sahen ihn auf einem Ast sitzen, lachend und schnatternd.
"Goor-gour-gaga!" sagten sie, "wir möchten, dass Du uns
hilfst."
Lachender Hans schnatterte mit seinem Schnabel, setzte sich hin und lauschte.
"Magst Du das große Feuer, welches wir jeden Morgen entfachen? Das Feuer,
das Wärme und Licht spendet und welches wir Sonne nennen?"
"Das tue ich - Goor-gour-gaga, Goor-gour-gaga," antwortete er.
"Aber was hat das mit mir zu tun?" fragte er.
"Alles was Du tun sollst ist lachen, so wie Du es immer tust," sagten
sie. "Wir möchten, dass Du die Tiere weckst, wenn der Abendstern
verblasst. Das ist der Moment, wo wir das Feuer entzünden. Da ist dann zuerst
nur eine kleine Flamme, kaum zu sehen, aber Du bist schließlich klug,
Goor-gour-gaga."
Jackass plusterte sich auf und erklärte sich bereit.
"Wenn Du lachst, weckst Du jeden auf und alle sind bereit für den neuen
Tag und die Arbeit."
"Und wenn ich es nicht machen will?"
Sie sahen ihn traurig an. "Dann werden wir das Feuer nicht entzünden und
die Welt wird weiterhin dunkel und kalt sein, so wie sie immer war. Es wird für
Dich wie immer sein, genau wie für die anderen Vögel und Tiere, Goor-gour-gaga."
Der Vogel erschreckte sie mit einem ohrenbetäubenden Gelächter.
"So wie das?" fragte er.
"Ja, ja, genau so, Goor-gour-gaga."
"Natürlich werde ich es machen, denn ich höre meine Stimme genauso gern
wie ihr."
Sie versteckten ihr Schmunzeln und lobten ihn. "Aber erinnere Dich, wenn Du
im Morgengrauen nicht lachst, werden wir kein Feuer entzünden."
Jeder Morgen beging mit Goor-gour-gaga´s Gelächter. Das Feuer der Sonne wurde
durch die himmlischen Wesen entfacht und wenn das Holz Feuer fing, wurde die
Flamme größer. Um die Mittagszeit war das Feuer am heftigsten und am
Nachmittag wurde es schwächer und wenn der Abend kam, blieb nur noch die Glut.
Das Glühen war heftig und der rote Schein war oft nach Sonnenuntergang zu
sehen. Einige der Glutstücke wurden durch die himmlischen Wesen gerettet, in
flauschige Wolken gehüllt und zum Entfachen des Feuers am nächsten Morgen
aufbewahrt.
Das sind die Morgen, welche durch den Lachenden Jackass mit seinem rauen und übermütigen
Schrein durch Goor-gour-gaga angekündigt werden.
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übersetzt von Torsten Höpfner
aus dem Buch: ´ Aboriginal Fables and Legendary Tales ´ von A.W.Reed
Quelle : www.didgeman.de